Im Januar 2018 habe ich angekündigt, dass es Interviews mit mir geben wird. Mein Rubber-Bär sammelt Fragen und stellt mir diese dann. Heute beschäftigt er sich mit HIV und Aids sowie die neuen Möglichkeiten sich vor einer Ansteckung zu schützen. Wenn Du mal eine Frage hast, dann schreibe uns ;-)
Rubber-Bär: Heute möchte ich mit dir über HIV und Aids sprechen. Da hat sich in den vergangenen Jahren so viel zum Guten verändert. SM-81: Da hast du vollkommen Recht. Die Therapie-Möglichkeiten in den Industriestaaten haben einen riesigen Sprung gemacht. Die Kombinationstherapie mit mehreren Wirkstoffen ist nicht neu, aber dass sie einerseits gut verträglich und andererseits die Einnahme bequemer geworden ist, sind ein großer Gewinn für die Betroffenen. Rubber-Bär: Die Therapie bringt auch den Vorteil mit sich, dass dieser Mensch seinen Sexpartner nicht anstecken kann. SM-81: Ja, das stimmt. Wenn jemand regelmäßig seine Medikamente nimmt, die Viruslast unter der Nachweisgrenze liegt und keine andere sexuell übertragbare Erkrankung vorhanden ist, kann man auf das Kondom beim Sex verzichten. Denn das Risiko einer HIV-Übertragung unter den Bedingungen ist statistisch sicherer als Sex mit Kondom. Rubber-Bär: Das bedeutet, du verzichtest beim Ficken auf das Kondom, wenn dein Gegenüber sagt er ist HIV-positiv und nimmt seine Medikamente ein? SM-81: Nein, das tue ich nicht. Rubber-Bär: Aber es ist doch genauso sicher. Warum bestehst du dann trotzdem auf ein Kondom? SM-81: Ich bin überzeugt davon, dass Schutz durch Therapie funktioniert. Der größte Unsicherheitsfaktor ist der Mensch. Kann ich meinem Gegenüber vertrauen, dass er seine Tabletten wirklich regelmäßig nimmt? Rubber-Bär: Ich verstehe. Du vertraust einem flüchtigen Sexpartner nicht. SM-81: Richtig. Bei einer so wichtigen Sache ist mein Vertrauen noch nicht da bei einer fremden Person. In meinem Leben habe ich bereits einige Männer kennengelernt, die es mit der regelmäßigen Einnahme ihrer HIV-Medikamente nicht so ernst genommen haben. Rubber-Bär: Wie sähe es aus, wenn du die Person kennen würdest? SM-81: Wenn ich mein Gegenüber kenne und ich das Vertrauen habe, dass er seine Medikamente regelmäßig einnimmt und die Anforderungen an sichereren Sex erfüllt sind, kann ich mir Sex ohne Kondom vorstellen. Rubber-Bär: Ein weiteres neues Thema ist die PrEP. Dabei nimmt ein Mensch, der keine HIV-Infektion hat, Medikamente ein, die eine Ansteckung verhindern soll. Ist das eine Option für dich? SM-81: Hier muss man unterscheiden, ob mein Gegenüber die PrEP einnimmt oder ich es bin.
Rubber-Bär: Fangen wir bei deinem Gegenüber an. SM-81: Mein Gegenüber darf die PrEP gerne einnehmen. Für mich hat dies keine Bedeutung. Auch hier müsste ich mich auf mein Gegenüber verlassen, dass er die Medikamente richtig einnimmt. Außerdem schützt er sich damit vor einer Infektion und nicht mich. Rubber-Bär: Du könntest selbst die PrEP einnehmen und dich so selbst vor einer Infektion mit HIV schützen. Ist das eine Option für dich? SM-81: Lange Zeit habe ich die PrEP für mich abgelehnt. Ich war nicht bereit ein Medikament einzunehmen, um ich vor einer HIV-Infektion zu schützen. Inzwischen habe ich meine Meinung geändert und nehme die PrEP anlassbezogen ein. Rubber-Bär: Was meinst Du mit „anlassbezogen“? SM-81: Es gibt zwei Möglichkeiten die PrEP einzunehmen. Einerseits kann ich die Tabletten jeden Tag nehmen. Immer. Oder aber ich nehme die Tabletten nur zu einem bestimmten Anlass ein. 2 bis 24 Stunden vor dem Sex und zwei Tage nach dem Sex. Rubber-Bär: Zu welchen Anlässen nimmst Du die PrEP ein? SM-81: Einerseits wenn ich plane Sex ohne Kondom haben zu wollen und andererseits zu Sexpartys oder Events. Gerade in Bezug zu speziellen Veranstaltungen ist es ein befreiendes und sichereres Gefühl zu wissen, dass ich durch das Medikament geschützt bin. Ich nehme nicht zu jedem Date die PrEP ein. Rubber-Bär: Viele sagen auch, dass die neuen Methoden nur gegen HIV schützen, aber nicht gegen andere sexuell übertragbare Infektionen. SM-81: Das ist vollkommen richtig. Allerdings muss man ehrlich sein und festhalten, dass ein Kondom nur die Wahrscheinlichkeit senkt, sich mit einer anderen sexuell übertragbaren Krankheit anzustecken. Das Risiko bleibt trotzdem noch relativ hoch. Daher ist es wichtig sich regelmäßig auf sexuell übertragbare Krankheiten untersuchen zu lassen und seinen Körper selbst wahrzunehmen. Andere sexuell übertragbare Krankheiten sind gut behandelbar. Gleichzeitig muss man aufwiegen, welches Risiko man bereit ist für sexuellen Spaß einzugehen. Nichts im Leben ist ohne Gefahr und Risiko. So ist es beim Sex auch. Rubber-Bär: Ich danke für deine offenen Worte zum Thema HIV und Aids. Viel Spaß beim nächsten Fick!
Thema:   Safer Sex 3.0 - Kondom, PrEP und Schutz durch Therapie
Stand:   16. Juli 2019
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